
HR muss sich von der Dienstleister-Rolle befreien und als strategischer Partner agieren. Dr. Stephanie Cossmann zeigt, wie durch klare Strukturen, Kommunikation und die Verankerung von Diversity Transformation erfolgreich umgesetzt werden kann.
HR wird oft als Nachzügler der Transformation gesehen. Während Produktentwicklung, Vertrieb oder IT längst agil, digital und datengetrieben arbeiten, kämpft HR vielerorts noch mit Excel-Listen, Silodenken und der Frage nach der eigenen Relevanz.
Dabei ist klar: Ohne HR keine Zukunftsfähigkeit. Im Gespräch mit Dr. Stephanie Cossmann, Vorständin für Personal, Recht und Nachhaltigkeit bei Symrise, wird deutlich, wie tiefgreifend der Wandel sein muss und wie konkret man ihn angehen kann.
Sie teilt nicht nur ihre Sicht auf die Rolle von HR, sondern auch die praktischen Schritte, mit denen sie ein globales HR-Operating Model aufgebaut hat.
Das hier ist kein Vortrag über Visionen. Sondern ein Fahrplan, wie HR den Hebel wirklich umlegt: strategisch, datenbasiert und nah an den Menschen.
„Strategisch“ ist eines dieser Wörter, das schnell gesagt ist und selten gelebt wird. Für Stephanie Cossmann bedeutet es nicht neue Buzzwords oder neue Tools, sondern: den Markt verstehen, Zusammenhänge erkennen, in Business Cases denken. HR-Maßnahmen dürfen nicht aus Selbstzweck entstehen, sondern aus klarer Geschäftslogik.
Dazu gehört auch, sich von der Trennung „HR vs. Business“ zu verabschieden. Wer nicht in Ergebnissen, Risiken und Wertschöpfung denkt, wird auf Vorstandsebene nicht ernst genommen.
Das Geschäft braucht HR, aber nicht als „Feelgood-Instanz“, sondern als Co-Pilot. Oder wie Cossmann es formuliert: HR muss zur rechten Hand der Unternehmensleitung werden, wenn Organisationen in unsicheren Zeiten stabil bleiben wollen.
HR-Leitungen sollten sich fragen: Sprechen wir noch HR oder schon Business?
Symrise war lange ein Puzzle aus vielen Teilen. Gewachsen durch Zukäufe, geprägt von unterschiedlichen Kulturen, verbunden durch…wenig. Drei Personalabteilungen, über 150 Bonuspläne, mehr als 10.000 KPIs, gepflegt in Excel.
Mit der Initiative tHRive hat Stephanie aus diesem Flickenteppich ein einheitliches HR-Operating Model gemacht:
Was von außen nach IT-Projekt klingt, ist in Wahrheit ein Struktur- und Kulturprojekt. „Wir mussten erst Klarheit schaffen, bevor wir Komplexität managen konnten“, sagt Cossmann.
Wer wachsen will, braucht ein Fundament, das skaliert. Sonst wird jedes neue Land, jeder neue Geschäftsbereich zum Sonderfall und HR zum Feuerwehr-Einsatz.
Manchmal beginnt Veränderung mit einer einfachen Frage: „Wie viele der 120 anwesenden Führungskräfte kennen Sie persönlich?“ Die Antwort: weniger als 20 Prozent.
Stephanies Reaktion darauf? Ein dreitägiger Leadership-Workshop in Holzminden. Die Führungscrew entwickelte gemeinsame Werte, arbeitete in wechselnden Teams, tauschte Erfahrungen und Zukunftsbilder aus.
Am Ende sagten viele: „Ich habe Freunde gefunden, nicht nur Kolleg:innen.“
Was wie ein weicher Faktor klingt, ist harte Organisationsentwicklung. Silos brechen selten durch Organigramme auf. Sie brechen auf, wenn Menschen einander begegnen, Vertrauen entsteht und aus „denen da drüben“ ein gemeinsames „wir“ wird.
Ein Workshop macht noch keinen Wandel. Transformation lebt vom Dranbleiben und davon, dass Menschen verstehen, was passiert.
Deshalb hat der Vorstand bei Symrise Formate geschaffen, die regelmäßig Nähe und Dialog ermöglichen:
Die Botschaft dahinter: Transformation ist kein Top-down-Projekt. Sie gelingt nur, wenn möglichst viele verstehen, warum Veränderungen notwendig sind und was sie konkret bedeuten.
Die zentrale Frage in der Kommunikation: What’s in it for me?
Denn erst wenn klar ist, wie sich der eigene Alltag verändert, entsteht echtes Engagement.
„Digitalisierung nur fürs Office? Nicht bei uns“, sagt Cossmann. Bei der Einführung von Workday wurde die Produktion bewusst mitgedacht. Mitarbeitende können über ihr Smartphone Gehaltsabrechnungen abrufen, Urlaubsanträge stellen oder Daten aktualisieren.
Statt über „Effizienz“ zu sprechen, arbeitet HR mit realen Szenarien: „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei der Bank und brauchen spontan Ihre Abrechnung. Wie praktisch, wenn Sie sie direkt auf dem Handy haben.“
So wird Digitalisierung nicht zum Kontrollinstrument, sondern zum erlebbaren Mehrwert. Und genau hier entscheidet sich, ob Blue Collar Mitarbeitende Transformation mittragen oder sich von ihr abgehängt fühlen.
Vielfalt ist kein Poster. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil. Bei Symrise ist Diversity kein eigenes Projekt, sondern Teil guter Entscheidungen: unterschiedliche Perspektiven, weniger Blinde Flecken, robustere Strategien.
Und ja, das schließt auch harte Instrumente ein. „Ich war lange Gegnerin der Quote“, sagt Stephanie. „Heute weiß ich: Ohne sie passiert zu wenig.“
Entscheidend ist, was danach kommt:
Gerade in globalen Organisationen ist das kein Nice-to-have. Es ist ein Risikofilter: Wer nur in einem homogenen Kreis entscheidet, wird die Vielfalt des Marktes irgendwann bitter spüren.
Was Dr. Stephanie Cossmann bei Symrise zeigt, ist mehr als ein Best Case. Es ist ein Muster: HR kann vom Verwalter zur strategischen Kraft werden, wenn Struktur, Kultur und Kommunikation zusammen gedacht werden.
Transformation bedeutet nicht, alles neu zu erfinden. Es bedeutet, Bestehendes zu hinterfragen, Menschen mitzunehmen und konsequent in Wirkung zu denken.
Es braucht Führung, die zuhört. HR, das gestaltet. Und Strukturen, die tragen. Denn am Ende geht es nicht um Tools oder Modelle, sondern um das Mindset, mit dem HR heute Zukunft möglich macht.
HR verändert sich nicht über Nacht. Aber Schritt für Schritt. Diese Punkte helfen dir, den Wandel nicht nur zu starten, sondern zu verankern.
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